Mio, optimiere mich!

Eine kritische Auseinandersetzung

Dies ist ein Masterabschlussprojekt von Rike Braitmayer

Sommersemester 2018 / Multimedia Design / Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle / Mentor: Prof. Jonas Hansen

Mit dem Projekt möchte ich Diskussionen anregen und auf den Aspekt der »Selbstoptimierung« in der momentanen Gesellschaft verweisen. Würden wir unser Leben tatsächlich von einem intelligenten System organisieren lassen? Außerdem möchte ich auf die zunehmende Relevanz von Big Data aufmerksam machen und auf die Frage eingehen, was mit unseren Daten passiert und wie wir damit umgehen, wenn ein solches Produkt realisiert werden würde?

Ein Produkt wie Mio wäre das optimale System für den Menschen. Man könnte ganz im Moment leben und sich komplett auf Mio verlassen. Mio organisiert einfach alles für die benutzenden Menschen: Es plant Termine und Treffen mit Freunden, erinnert daran, Sport zu machen, zu essen oder eine Pause zu machen. Man müsste sich einfach um nichts mehr Gedanken machen und könnte sich ganz auf die aktuelle Aufgabe konzentrieren. So ähnlich wie ein Kind blind seiner Mutter vertraut, würde der Mensch auf Mio vertrauen.
Was traumhaft klingt, hat auch seine Schattenseiten.
Denn damit Mio optimal funktionieren kann, benötigt es so viele Daten wie möglich. Mio analysiert anhand dieser Daten das Verhalten der Person und passt sich perfekt an diese an. In einer Welt, in der wir unsere Daten als Währung benutzen, würde Mio sich optimal einreihen und das Spiel noch auf die Spitze treiben. Es bringt eine Menge Vorteile mit sich, aber ein System wie Mio ist kein Mensch, sondern ein selbstlernender Algorithmus, der nicht wie ein Mensch handelt und denkt. Mio wäre komplett rational und würde anhand der Daten sehr subjektiv entscheiden, was das Richtige für die Person im jeweiligen Moment ist.
Doch wollen wir das wirklich? Unseren Kopf ausschalten und komplett unser Leben in die Hand eines intelligenten Algorithmus legen?
Mio ist eine künstliche Intelligenz, die es in diesem Ausmaß heutzutage noch nicht gibt. Das heißt, Mio ist viel intelligenter als Alexa und Co. und handelt selbstständig. Durch Machine Learning hat Mio sich selbst optimiert und passt sich jederzeit neu an.
Wenn der Mensch sich nun komplett auf Mio einlassen würde, würde Mio diesen optimieren und den effizientesten Weg für diese Person wählen.
Hier geht es nur um Effizienz und Optimierung, nicht um ein emotional glückliches Leben. Mio besitzt keine Gefühle. Es handelt nicht emotional, sondern rational.
In einer Gesellschaft, in der die Selbstoptimierung auf der Überholungsspur steht, würde Mio perfekt andocken. Aber was würde ein solches System mit dem Menschen machen? Würden die Menschen alle effizient und optimiert sein? Vielleicht würden sie auch alle gleich werden.
Es würde keine Spontanität mehr geben und die kleinen, unvorhersehbaren Dinge, die unser Leben lebenswert machen, würden nicht mehr existieren. Es gäbe Menschen, die funktionieren – aber zu welchem Preis?
Zumindest würden sie sich perfekt in die Gesellschaft einreihen und die Wirtschaft vorantreiben, hätten aber keinen eigenen Willen mehr, geschweige denn ein freies Handeln. Wollen wir das wirklich?